Beinahe jeder (Bahn-)Reisende hat wohl bereits einmal einen Blick auf Spangenberg geworfen: Siebeneinhalb Minuten nach Abfahrt des ICE aus Kassel-Wilhelmshöhe in Richtung Frankfurt fällt der Blick zwischen zwei Tunneln in Fahrtrichtung links in das Tal der Pfieffe. Dort hinten, im nordhessischen Bergland, liegt die Stadt Spangenberg mit ihren etwa 2700 Einwohnern. So schnell wie der Blick aus dem Fenster geworfen ist, so schnell ist die Gelegenheit auch schon wieder vorbei. Wer mehr sehen will steigt in Kassel (oder Fulda) aus und begibt sich auf eine entschleunigende Reise in die Welt der Mittelgasse 14 in der Altstadt Spangenbergs.

Wie viele anderen Häuser in der Altstadt wurde auch das Haus Mittelgasse 14 nach den Zerstörungen des Dreissigjährigen Kriegs um 1700 neu erbaut. Im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert beherbergte es eine Kohlenhandlung und seit Eröffnung der Berlin-Coblenzer-Eisenbahn von Berlin über Spangenberg nach Koblenz auch eine Spedition. Mehrfach erweitert und umgebaut ist es nun eines der grössten Fachwerkhäuser der Stadt.

Lange Jahre wohnten auf den drei Stockwerken in 18 Zimmern mehr als ein Dutzend Menschen aus drei Generationen. Nachdem die letzte Eigentümerin der Kohlenhandlung und zuletzt alleinige Bewohnerin verstorben war wurden einzelne Räume behutsam renoviert, viele Räume sind noch im “Originalzustand” vergangener Zeiten.

Acht dieser Räume und Orte im Haus bilden nun die Szenerie des Theater-Projekts DAS HAUS unter der künstlerischen Leitung von Bernhard Mikeska